Als Gründerin von Schorndorf bewegt habe ich schon einige Laufgruppen ins Leben gerufen und begleitet. Eine inklusive Laufgruppe, die Anfängerinnen willkommen heißt und langfristig Bestand hat, ist jedoch eine andere Herausforderung – und eine meiner liebsten. In diesem Beitrag teile ich mit dir meine praktische Schritt-für-Schritt-Erfahrung, damit du in Schorndorf (oder anderswo) eine inklusive Laufgruppe aufbaust, die Spaß macht, Sicherheit gibt und Menschen verbindet.

Vision klären: Was bedeutet „inklusiv“ für dich?

Bevor ich die ersten Treffen organisierte, habe ich mir Zeit genommen, meine Vorstellung von Inklusion zu konkretisieren. Für mich heißt inklusiv: alle Altersgruppen, unterschiedliche Fitnesslevels, verschiedene körperliche Voraussetzungen und Menschen mit unterschiedlichsten Vorerfahrungen sind willkommen. Inklusion bedeutet auch, Barrieren frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen – physisch (z. B. gut zugängliche Treffpunkte), kommunikativ (verständliche Ansagen, klare Info) und sozial (freundliche Atmosphäre, Null-Toleranz gegenüber Ausgrenzung).

Schreibe dir konkret auf, welche Zielgruppen du ansprechen willst: Einsteigerinnen, Wiedereinsteigerinnen, junge Mütter, Senioren, Menschen mit leicht eingeschränkter Mobilität? Je klarer deine Vision, desto konkreter kannst du Angebote gestalten.

Treffpunkt, Zeit und Route — barrierefrei und vorher getestet

Ein häufiger Fehler ist, die Strecke zuerst zu wählen und die Bedürfnisse der Teilnehmenden danach anzupassen. Ich mache es andersherum: Treffpunkt und Route plane ich immer aus Sicht der Nutzerinnen. Wichtige Fragen, die ich mir stelle:

  • Ist der Treffpunkt mit Bus/Auto/fahrrad erreichbar? Gibt es Sitzgelegenheiten und Toiletten in der Nähe?
  • Ist die Strecke eben, gut beleuchtet und befestigt? Vermeide stark unebene Waldpfade für Anfängerinnen oder Menschen mit Gehbehinderung.
  • Gibt es Alternativen (kürzere/leichtere Varianten) für unterschiedliche Fitnesslevels?

In Schorndorf nutze ich gern Plätze wie den Schlosspark oder die Wege entlang der Rems, weil sie vielseitig nutzbar und gut erreichbar sind. Teste deine Route einmal mit einer gemischten Gruppe, bevor du sie als Standard festlegst.

Programm und Struktur: einfache Progression & klare Optionen

Eine inklusive Gruppe braucht verlässliche Strukturen. Ich stelle beim ersten Treffen das regelmäßige Format vor: Aufwärmen, Lauf-/Geh-Intervall, Cool-down und Austausch. Für Einsteigerinnen empfehle ich die Walk-Run-Methode (z. B. 1 Min laufen / 2 Min gehen) und eine langsame Progression über Wochen.

  • Aufwärmen: 8–10 Minuten mit Mobilitätsübungen und leichtem Gehen.
  • Hauptteil: Varianten anbieten — z. B. Anfängerinnen (Walk-Run 1:2), Fortgeschrittene (laufende Dauer 20–30 Minuten in moderatem Tempo).
  • Cool-down: Dehnen, Atemübungen, kurzes Feedback-Runde.

Ich notiere jede Woche eine leichte Zielvorgabe (z. B. Laufanteil erhöhen, Technikfokus). So behalten alle die Motivation und niemand fühlt sich überfordert. Nutze einfache Tools wie eine Stoppuhr oder die Handy-App (z. B. Garmin, Strava) — aber mache klar, dass Technik optional ist.

Inklusion praktisch machen: Kommunikation, Hilfsmittel und Teamrollen

Gute Kommunikation ist das Herz inklusiver Gruppenarbeit. Bei der Anmeldung frage ich kurze Angaben ab: Lauf-Erfahrung, gesundheitliche Einschränkungen, Kontaktdaten für den Notfall. Das gibt mir Sicherheit, ohne zu viel Bürokratie zu erzeugen.

Ich arbeite mit klaren Rollen:

  • Leitung/Coach: Plant die Einheiten, gibt Sicherheitshinweise und moderiert.
  • Schwellenbegleitung: Eine zweite Person, die bewusst am Ende der Gruppe bleibt, sodass niemand verloren geht.
  • Pünktliche Ansprechpartnerinnen: Zwei Ehrenamtliche, die bei Anmeldung/Organisation helfen und auf neue Teilnehmerinnen zugehen.

Hilfsmittel wie gut sichtbare Warnwesten, Erste-Hilfe-Set, einfache Handpfeifen und eine Liste mit lokalen Ansprechpartnerinnen (z. B. Physiotherapiepraxen, Hausärztinnen) sind bei mir Standard. Außerdem integriere ich leichte Übungen für unterschiedliche Körpertypen: alternative Bewegungsvarianten, Gehpausen, Gehstöcke oder Nordic-Walking-Stöcke als Option.

Teilnehmerinnen gewinnen: lokale Vernetzung und klare Botschaften

Als Blogbetreiberin nutze ich natürlich Schorndorf bewegt, aber wir brauchen mehr Kanäle. Folgende Wege haben sich bewährt:

  • Flyer in lokalen Geschäften, Stadtbibliothek, Physiopraxen und Cafés.
  • Kooperationen mit Volkshochschule, Sportvereinen und Seniorenzentren – oft suchen diese gezielt nach inklusiven Angeboten.
  • Social Media: kurze Videos vom Training (mit Einverständnis), Erfahrungsberichte und regelmäßige Posts.
  • Persönliche Einladungen: Frage aktive Teilnehmerinnen, welche Freundinnen oder Nachbarinnen sie mitbringen könnten.

Wichtig ist die Wortwahl: Formulierungen wie „für Einsteigerinnen“ und „alle sind willkommen“ sprechen mehr an als zu technische oder leistungsorientierte Begriffe. Hebe hervor, dass die Gruppe wertschätzend ist, auf Sicherheit achtet und alternative Optionen bietet.

Langfristig am Laufen halten: Feedback, Flexibilität und Gemeinschaftspflege

Der nachhaltigste Faktor für eine dauerhafte Gruppe ist Gemeinschaft. Ich investiere Zeit ins Zwischenmenschliche: Nach jedem Training sammeln wir kurzes Feedback (analog auf Karteikarten oder digital per Google-Formular). Daraus entstehen kleine Anpassungen, die zeigen: Eure Meinung zählt.

Weitere Handgriffe, die sich bewährt haben:

  • Regelmäßige Check-ins: Quartalsweise lade ich zu einem offenen Treffen ein, bei dem wir Strecken, Startzeiten oder neue Ideen besprechen (z. B. gemeinsames Ziel: 5-km-Lauf in der Region).
  • Events: Einmal im Jahr organisiere ich einen „Tag der offenen Laufgruppe“ mit Partnerinnen wie lokalen Sportgeschäften (z. B. Decathlon, Laufladen vor Ort) für Probeschuhe oder Technikchecks.
  • Anerkennung: Kleine Erfolge feiern — Urkunden für persönliche Meilensteine, gemeinsame Fotos (mit Einverständnis) oder ein Grillnachmittag nach dem Sommertraining.
  • Ausbildung Ehrenamtlicher: Wenn die Gruppe wächst, bilde ich Interessierte in Basis-Erster-Hilfe und Lauftrainingsgrundlagen weiter, damit die Leitung entlastet wird.

Flexibilität ist zentral: Wenn eine Wetterperiode oder Personalausfall ansteht, biete ich Alternativen (Indoor-Treff im Gemeindezentrum, Technik-Workshop oder gemeinsamer Spaziergang). So bleibt die soziale Bindung bestehen.

Wenn du möchtest, unterstütze ich dich bei der ersten Ankündigung auf Schorndorf bewegt oder helfe bei der Streckenplanung vor Ort. Schreib mir gern über das Kontaktformular auf https://www.schorndorf-bewegt.de – gemeinsam machen wir Schorndorf bewegter und zugänglicher für alle.